MGA Berlin

MGA Physiotherapie & Osteopathie

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Informationen für gesetzlich versicherte Patienten


Sehr geehrte Patientinnen und Patienten, über unseren Flyer hinaus, den Sie bei der ersten Behandlung erhalten, wollen wir Ihnen auf diesem Wege noch ein paar zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen. Immer wieder hören wir von Patientenseite: ° als Kassenpatient bekommt man sowieso nichts mehr verschrieben ° als Kassenpatient ist man schlecht versichert ° die Kassen zahlen nichts mehr, usw., usw. Dazu möchten wir ein paar Anmerkungen zum besseren Verständnis machen: Unsere Praxis lebt auch von Ihnen und ihren Verordnungen. Auch sind die Leistungen, die sie als gesetzlich Versicherte/r bei uns bekommen, nicht schlechter als die der Privatversicherten. Wir können z.B. Ein Kniegelenk nur richtig oder falsch, gut oder schlecht, behandeln. Privat oder Kasse ist hier egal. Worin liegt dann aber der "vielbeschworene" Unterschied?

1. der Zeitfaktor: die gesetzliche Krankenkasse gibt Mindestbehandlungszeiten vor. Die liegen für eine krankengymnastische Behandlung bei 15-20 Minuten Regelbehandlungszeit. (Für diese Behandlung bekommen wir übrigens eine Erstattung von ca. 14,23€ brutto!. Bei zwei Patienten pro Stunde, würde dies einen erwirtschafteten Betrag von 28, 46€ brutto! ergeben. ...und ihre bezahlten Rezeptgebühren wird uns natürlich von diesem Betrag abgezogen. In diesem Stundenlohn ist aber auch noch enthalten:
Terminplanung, Dokumentation, Rezeptprüfung, herrichten der Kabine und wieder aufräumen, evtl. Hilfestellung beim An- und Auskleiden, etc. und Therapieberichte (für die wir 0,58 €, achtundfünfzig Cent, berechnen dürfen – abzüglich der Briefmarke mit 0,70 € zahlen wir 12 Cent drauf)

2. Die Therapieeinschränkung: während es bei Privatversicherten durchaus möglich ist, mehrere Leistungen zu kombinieren, wurde dies im Heilmittelkatalog für gesetzlich Versicherte eingeschränkt. Zusatzleistungen wie Fangopackungen oder Elektrotherapie können nur alleine dazu verordnet werden. Ein Rezept bei intensiven Rückenbeschwerden wie Fangopackungen + Manuelle Therapie+ Elektrotherapie ist offiziell nicht möglich.

3. Die Mengenbeschränkung: Im Heilmittelkatalog ist festgelegt, daß ihre Beschwerden "gefälligst" nach einer bestimmten Verordnungsmenge besser zu sein haben. An diesen Katalog muss sich der verordnende Arzt halten, was erklärt, warum es manchmal so schwierig ist, ihn davon zu überzeugen, eine weitere Verordnung auszustellen. Für das beschriebene verletzte Kniegelenk bedeutet dies oft: der Kassenpatient bekommt eine Verordnung über 6 x Krankengymnastik, der Privatversicherten hingegen bekommt oftmals eine Verordnung über 10 x Manuelle Therapie + 10 x Elektrotherapie + 10 x Eispackung + 10x Krankengymnastik und sollte die Verletzung mit einer Schwellung einhergehen + zusätzliche 10 x Lymphdrainage. Im Anschluss daran kann er mit einer Verordnung über 10 x Krankengymnastik am Gerät sowohl im Bereich der Koordination, als auch im Bereich Kraft, in unserer Trainingstherapie seinen alten Zustand wieder herstellen. Sollte dies nicht ausreichen, bekommt er, ohne Probleme, eine weitere Verordnung. Hinzu kommt, dass aufgrund der deutlich höheren Erstattung der Zeitfaktor höher ist. Über evtl. Zusatzleistungen außerhalb des Heilmittelkataloges für gesetzlich Versicherte, haben wir jetzt außerdem überhaupt noch nicht gesprochen (Kinesiotaping, Reflexzonentherapie, Vibrationstraining, etc.).

4.Ein weiteres, großes Problem für Physiotherapiepraxen: Die gesetzlichen Krankenkassen haben seit Januar 2001 ihre Erstattungen um insgesamt 7,8% angehoben. Dies bedeutet pro Jahr nicht einmal 0,8%! Wenn wir von einer Anpassung der Gehälter der Krankenkassenmitarbeiter von 2% jährlich ausgehen, sind das in dieser Zeit 20%.
Zeitgleich wurden uns Therapeuten immer mehr Verwaltungsaufgaben zugeordnet, so dass wir ohne zusätzliches Personal oder nur mit einem großen persönlichen Mehraufwand gar nicht alle Vorgaben erfüllen können (Wir haben eine Prüfungspflicht für ihr Rezept. Keine richtige Verordnung bedeutet keine Erstattung unserer Leistungen).
Um den Unterschied Kassenpatient zu Privatpatient zu verstehen: ein Blick ins Sozialgesetzbuch V. Dort ist zu lesen:
"Das Leistungsrecht in der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt den Leistungsanspruch des einzelnen Versicherten darauf das die Leistungen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein müssen.“
Über das "notwendige Maß" hinausgehende oder unwirtschaftliche Leistungen können die Versicherten nicht beanspruchen, die Leistungserbringer dürfen sie nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen (§ 12 Abs. 1 SGB V)."

Naja... ° ausreichend: in der Schule bedeutet das wohl Note 4 ° zweckmäßig: ist eine Obstkiste als Wohnzimmertisch auch ° wirtschaftlich: als wohl mit dem geringsten finanziellen Aufwand
Eigentlich ist das ja alles nicht schlimm, denn man kann damit zurechtkommen. Schlimm ist aus unserer Sicht nur, dass man ihnen, auch oftmals von seitens der Politik, erzählt, man würde Ihnen Leistungen in einer sehr guten bzw. optimalen Qualität zur Verfügung stellen.
Aber genau DAS steht seltsamerweise nicht im Gesetzestext. Wir haben über die Jahre hinweg zusehen müssen, wie eine Reform nach der anderen unseren Bereich "verschlimmbessert" hat. Wir haben über all die Jahre versucht, dies für unsere Patienten zu kompensieren. Wir müssen aber feststellen, eine wirtschaftliche Führung unserer Praxis ist nur noch zu erreichen, wenn wir uns exakt an die Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen halten. Sowohl vom zeitlichen Umfang, als auch hinsichtlich der übrigen Vorgaben. Was wir aber sicher nicht machen werden, ist unsere Qualität der Leistungen, die ihnen verordnet wurde, einzuschränken.
Wir würden Sie anlügen, wenn wir nicht eingestehen würden, dass ein Privatversicherter eine sehr gute, optimal auf sein Krankheitsbild ausgerichtete, und auch manchmal teurere Leistung erhält, die auch einen höheren zeitlichen Umfang hat. Dies führt zwangsläufig oftmals zu einem anderen (besseren?) Behandlungs- und Genesungsverlauf. Dies haben wohl auch die Gesetzgeber, bzw. die Vertreter der Krankenkassen, erkennen müssen. Denn erstmals wurde jetzt dem Versicherten die Möglichkeit eingeräumt, seine Therapie zu ergänzen, oder durch Zusatzleistungen zu verbessern. Natürlich läuft das aber auch wieder einmal darauf hinaus, dass der Kassenversicherte, (zu seinem Premiumbeitrag von ca. 15% seines Bruttolohnes) Zuzahlungen leisten muss. Leider auch im Bereich der Physiotherapie.